Ein besonderer Tag mit Bischof Wilmer

Empfang und Begrüßung

„Öh … das ist der Bischof?“ fragte ungläubig eine circa 16 Jahre alte Schülerin. Unter einem kirchlichen Würdenträger hatte sie sich wohl einen anders auftretenden Menschen vorgestellt als Dr. Heiner Wilmer, den künftigen Bischof des Bistums Münster und aktuellen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, der am 15. Juni unser Berufskolleg und die Liebfrauenrealschule besuchte, um im Rahmen eines Pilgerweges, eines Gottesdienstes und eines anschließenden Grillfestes junge Menschen seines Bistums kennenzulernen. Nicht in großer schwarzer Limousine war er aus Münster kommend vorgefahren, sondern in einem weißen Mittelklassewagen. Dunkle Blue Jeans, eine anthrazitfarbene Wanderjacke nebst modernem Rucksack, graubraune hohe Wanderschuhe trug er, also keinen dunklen Anzug oder gar eine Soutane, wie man hätte meinen können. 65 Jahre ist er jung – und auch das Alter sah man ihm bei weitem nicht an.

Nach der Begrüßung durch Matthias Stroetmann, den Leiter der Realschule, ging Heiner Wilmer sofort auf seinen Lebensweg ein: „Welcome back“, sagte er und meinte damit das für ihn heimische Gefühl, wieder an einer Schule unter jungen Menschen zu sein. Er erläuterte, dass er in jungen Jahren Lehrer an der Liebfrauenschule in Vechta und später, sozusagen als Kontrast, an einer Jungenschule in den New Yorker Bronx gewesen war. Er unterstrich, was die Schwestern Unserer Lieben Frau für die Bildung speziell von Frauen geleistet hätten, so, wie es der damalige Staat im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht getan habe. Zentraler Satz hier: „Die Schwestern haben damals viel für die Emanzipation getan und somit für eine gerechtere Gesellschaft!“

Für den folgenden Pilgerweg machte er Mut: „Es gibt keine Tabus!“, meinte er. „Ihr könnt mich alles fragen!“ Schon hier war klar, wie er sich auf das Gespräch mit den Schülerinnen, Schülern und den Studierenden freute.

Pilgerweg

Was haben ein Picknick im Biergarten, eine stumm sitzende Menschengruppe an der Bahnunterführung in Geldern und ein Bischof auf einem Waveboard gemeinsam? Was für Außenstehende nur schwer zu erraten ist, hat für die Liebfrauenschüler einen roten Faden: Es sind alles Szenen vom Pilgerweg, den die beiden Schulen mit Bischof Heiner in Geldern zurückgelegt haben.

Doch der Reihe nach. Fünf Stationen umfasste der Pilgerweg. Und jede Station stand unter einem eigenen Motto: Aufbrechen – Mutig sein – Gehalten sein – das Leben feiern – Warten. Als Orte dafür waren die Schulkapelle, der Skaterpark, der Friedhof, der Biergarten am Holländer See und der Bahnhof in Geldern auserkoren worden. An jeder Station gab es Input für die Pilgerinnen und Pilger. Schülerinnen der Realschule erinnerten daran, dass sie mutig waren, als sie zum Beispiel, um nicht alleine zu sein, in der Klasse 5 die neuen Mitschülerinnen nach dem Namen fragten oder als sie sich erstmals im Unterricht gemeldet hatten. Mutig müsse man auch im Leben sein, hieß es dann, und so wurde die Gruppe auf die Probe gestellt. Rund 20 Skate- und Waveboards lagen bereit, um die ersten Fahrkünste darauf zu demonstrieren. Auch eines war für Bischof Wilmer dabei, der sich nicht lange bitten ließ und seine ersten Versuche darauf unternahm. Hut ab!

Weiter ging es zum Friedhof, wo Sängerinnen und Darsteller der Musicalgruppe dramaturgisch und mit feinem Gesang des selbst komponierten Liedes „Ich mach ein Bild in deinem Herzen!“ die Frage aufwarfen, was nach dem Tod der Nachwelt in Erinnerung bleibt oder aber bleiben soll. Aber auch die Frage schwang hier mit, wer einem zur Seite steht, wenn es einem schlecht geht, zum Beispiel nach dem Verlust eines lieben Menschen.

Heiter ging es dann im Biergarten am Holländer See weiter. Traurige Gedanken, die einen womöglich von der vorhergehenden Station hierher begleitet hatten, wurden dynamisch abgeschüttelt mit dem Lied, „Wir haben oben gute Laune!“. Nicht nur den Schülerinnen und Schülern, sondern gerade auch Bischof Wilmer sah man im Gesicht, am Gesang und an den geschmeidigen Bewegungen an, wie diese gemeinsame Aktion auch ihm Spaß bereitete. Diese Station griff also die leichte Seite des Lebens auf, die trotz aller Kriege und Krisen auch ihre Berechtigung hat. Erinnert wurde dabei daran, dass das erste Wunder Jesu auf der Hochzeit zu Kana geschah, als der Wein ausging und Jesus mit der Verwandlung von Wasser zu Wein die Freude am Feiern rettete. Aber auch an den Auftrag Jesu an die Apostel, Mitarbeiter der Freude zu sein (welches der Wahlspruch von Bischof Wilmer ist) erinnerte man sich hier.

Richtig ruhig wurde es schließlich an einem Ort, an dem sonst Menschen in Hast sind und Züge fahren: an der Unterführung am Bahnhof. Mehrere Minuten war hier jeder alleine für sich still und ging in sich. „Wie ist das, wenn ich auf mich alleine gestellt bin!?“ und „Was erwarte ich von mir, von unserem neuen Bischof, von Gott“ lauteten hier die Impulse, die jeder für sich in Stille beantworten sollte.

Kurz nachdem die Gruppe von hier aufgebrochen war, ertönte dann feierliches Glockengeläut von der Pfarrkirche Maria Magdalena, ein sicheres Zeichen dafür, dass der Gottesdienst bald beginnen sollte.

Wortgottesdienst

Die Pfarrkirche St. Maria Magdalena offenbarte ein Bild, das es sonst nicht einmal zu Weihnachten gibt. In die vielen Bänke drängten sich eng sitzend die Schülerinnen und Schüler, und unzählige Stühle, allesamt besetzt, füllten den Platz hinten im Mittelschiff. Nicht nur in der Schülerschaft der beiden Liebfrauenschulen war das Interesse gewaltig, den neuen Bischof live zu erleben, sondern auch zahlreiche Menschen aus dem Südkreis wollten dabei sein, als Heiner Wilmer seinen ersten Gottesdienst in Geldern feierte. Das Thema lautete „Zusammen geht was!“

In seiner Ansprache blickte der Bischof zurück auf den Empfang und das Pilgern, auf lustige Gespräche, aber auch auf ernsthafte Themen. „Never ever“ habe er sich beispielsweise vorstellen können, mal auf einem Waveboard zu stehen und sich mit Unterstützung anderer fortbewegen zu können. Lustig war es aber auch, als Schülerinnen resümierten, dass die zuvor verteilte und geteilte Schokolade Energie lieferte und die Konzentration förderte und sie daher vorschlugen, dass das Bistum doch eigentlich kontinuierlich Schokolade für die Schulen spenden solle.

Nachdenklich stimmten ihn aber auch die Gespräche, in denen die Frage thematisiert wurde, was bleibt, wenn man aus dem Leben gehe. Hier hatte ihm eine betrübte Schülerin vom Tod des Babys im Mutterleib der Tante berichtet, das sie nie zu Gesicht bekamen, aber dennoch für immer Teil der Familie bleiben würde.

All diese Erfahrungen seien „Abbild der Emmaus-Geschichte“, die als Evangelium vorgetragen wurde. „Spooky“ sei das schon gewesen, was diese beiden Männer auf dem Weg nach Emmaus erlebt hätten. Aber auch sie hätten Fragen gehabt, die beim Pilgern auch aufgetreten seien, wie zum Beispiel wie das Leben weitergehe. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an den Satz aus dem Evangelium „Brannte uns nicht das Herz!“ und vertrat den Standpunkt, dass gerade gemeinsam und nicht alleine vieles zu bewältigen sei.

Was letzten Endes alle freute, war Bischof Wilmers Wertschätzung für die beiden Liebfrauenschulen. Er lobte die von ihm beobachtete „Pädagogik, die begleitet und reifen lässt!“ Und er fuhr fort: „Ihr Schülerinnen und Schüler könnt stolz darauf sein, auf solch eine Schule zu gehen, die eine starke Gemeinschaft ist und mit der man mit Humor, aber auch mit Ernsthaftigkeit durchs Leben geht.“

Auch musikalisch wurde der Wortgottesdienst sehr schön gestaltet. Dazu trugen der Projektchor aus Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern bei, aber gleichermaßen auch die Musiklehrer sowie die kleine Band.

Grillevent

Es war nicht nur ein Grill-, sondern ein wahres Gourmet-Event, zu dem Bischof Wilmer, die große Pilgergruppe und einige wenige weitere Personen geladen waren.

Unser Schulleiter Guido Niermann war es in seiner Begrüßung wichtig zu betonen, dass hierfür keinesfalls ein Caterer beauftragt worden sei, sondern dass es für alle Fachlehrerinnen und Fachlehrer aus dem Bereich „Ernährung/Hauswirtschaft“ eine Selbstverständlichkeit gewesen sei, alles selbst zu planen, zuzubereiten und in perfektem Service anzubieten. Das war ein Einsatz, der schon morgens früh um 6 Uhr in unserer Betriebslehrküche startete und von den Schülerinnen und Schülern der FH/11E professionell unterstützt wurde. Das Ergebnis waren kulinarische Genüsse, die auf der Zunge die Geschmackspapillen überaus intensiv verwöhnten.

Kostprobe gefällig? Vom Grill Sous-vide gegartes Rumpsteak, Pulled Pork, Nacken-, Schweinerückensteaks und Hähnchenfilets, Lachs vom Smoker, gebratene Garnelen. Des Weiteren mediterranes Grillgemüse und eine breite Palette unterschiedlichster Salate, abgerundet durch Desserts wie Crème brûlée von dunkler Schokolade, einen Trauben-Traum und ein fein zubereitetes Spaghetti-Eis-Dessert, wie es in keiner italienischen Eismanufaktur besser hätte zubereitet werden können. Festlich waren zudem die Tische eingedeckt.

In seiner Ansprache äußerte Guido Niermann die Zuversicht, dass der Bischof und alle Gäste den ganzen Tag über einen authentischen Eindruck von der Arbeit der beiden Liebfrauenschulen hätten erlangen können. Sein Dank ging an alle, die mit so viel Herzblut für das Gelingen des Tages gesorgt hätten. „Ich wünsche“, wandte er sich direkt an Bischof Wilmer, „dass Sie hier erleben, was eine bischöfliche Schule ausmacht.“ Hier würde stets versucht, den Schülerinnen, Schülern und Studierenden Vertrauen zu schenken und Verantwortung zu geben. „Wir versuchen“, fuhr er fort, „auf Augenhöhe zu lehren und zu lernen!“ Den Gedanken, dass Schule auch Heimat sei, griff anschließend Lenn Benthin an der Gitarre gemeinsam mit Lehrerin Ursula Funke auf, die das von Sebastian Benthin, einem ehemaligen Schüler, komponierte Lied „Heimat“ beeindruckend und unter die Haut gehend vortrugen.

Aber es wurde nicht nur gespeist. Eine Fotobox und die Möglichkeit, diese Fotos in ein Erinnerungsbuch mit Gedanken für den Bischof zu kleben sowie die Hintergrundmusik ließen einen besonderen Tag für die Liebfrauenschule ausklingen. Wie sagte es nicht Bischof Wilmer wörtlich: „Ich bin schwer begeistert!“

Texte und Fotos: Ewald Hülk


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