Professionelle Betreuung von Menschen mit Epilepsie – ein Einblick für unsere Studierenden der HEP/U

Wir, die Studierenden der HEP-Unterstufe, erhielten am 28.04. Besuch von den Fachkräften Lena Domröse, eine ehemalige Studierende unserer Fachschule, und von Stefan Blortz, die aus ihrer praktischen Arbeit mit Menschen mit Epilepsie in der Werkstatt der Haus Freudenberg GmbH berichteten. Sie wurden von unserem Fachlehrer eingeladen, da wir uns im Unterricht aktuell intensiv mit diesem Thema beschäftigen. Nach der vorherigen theoretischen Beschäftigung mit dem Thema stand bei diesem Besuch der Expert/innen der Umgang mit epileptischen Anfällen im Berufsalltag im Vordergrund.

Zu Beginn wurde gemeinsam darüber gesprochen, welche Erfahrungen wir bereits mit Epilepsie gemacht haben. Dabei zeigte sich, dass die Vorkenntnisse sehr unterschiedlich waren. Es entwickelte sich schnell ein offener Austausch, in dem Fragen gestellt und Unsicherheiten, vor allem bezüglich des Erkennens eines Anfalls, der Erste-Hilfe-Maßnahmen usw., angesprochen wurden.

Im weiteren Verlauf stellten die Fachkräfte ein Fallbeispiel aus ihrem Arbeitsalltag vor. Es ging um eine mehrfach beeinträchtigte Person, die unter Grand-Mal-Anfällen leidet und im Alltag auf Unterstützung angewiesen ist. Durch die anschaulichen Erklärungen konnten wir uns gut in die Situation hineinversetzen.

Ein zentraler Punkt war das richtige Verhalten während eines Anfalls. So erfuhren wir, wie wichtig es ist, ruhig zu bleiben, die Zeit im Blick zu behalten, die in Abhängigkeit der Art eines Anfalls (z. B. generalisierter tonisch-klonischer Anfall/Grand-mal, Fokaler Anfall mit Bewusstseinsstörungen, Absence) sehr unterschiedlich ist, und die betroffene Person nicht alleine zu lassen. Außerdem wurde darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die Umgebung zu sichern, um Verletzungen zu vermeiden. Auch das frühzeitige Erkennen von Anzeichen, wie ein erhöhter Puls oder Verhaltensveränderungen, wurde thematisiert.

Darüber hinaus wurde der Umgang mit Notfallmedikamenten besprochen und wie wichtig es in diesem Zusammenhang ist, darauf zu achten, dass bei Betroffenen die Verordnung für Bedarfsmedikation mit dem zuständigen Arzt besprochen wurde. Die Fachkräfte erklärten zudem die Anwendung und die unterschiedlichen Applikationsarten (oral, rektal) und betonten, wie wichtig klare Absprachen im Team sind. Viele Fragen konnten direkt geklärt werden, was uns mit Blick auf unsere Einsatzfelder in Einrichtungen der Eingliederungshilfe und somit in der Arbeit mit Betroffenen zusätzliche Sicherheit gibt.

Zusätzlich erhielten wir Einblick in einen vom Qualitätsmanagement der Haus Freudenberg GmbH entwickelten Handlungsplan zur Anwendung bei einem epileptischen Anfall, der Schritt für Schritt das Vorgehen im Notfall beschreibt. Dieser wurde gemeinsam durchgesprochen und erklärt. Hier finden Sie den Link zum Handlungsplan: http://www.lfs-berufskolleg-geldern.de/cms/?attachment_id=20792

Während des gesamten Besuchs herrschte eine ruhige, offene und respektvolle Atmosphäre. Die Studierenden unserer Klasse stellten viele Fragen und wir tauschten uns intensiv mit den Expert/innen aus. Für viele war es hilfreich, Unsicherheiten offen ansprechen zu können und direkt Antworten aus der Praxis zu bekommen. Dadurch entstand ein Gefühl von Sicherheit und ein besseres Verständnis für den Umgang mit epileptischen Anfällen.

Auch die Fachkräfte zeigten sich am Ende sehr positiv überrascht. Sie betonten, dass sie die Gruppe als interessiert und engagiert erlebt haben und die offene Gesprächsatmosphäre als sehr angenehm empfanden. Für sie war es eine Bereicherung, ihre Themen in einem so respektvollen und aufmerksamen Rahmen besprechen zu können.

Eine der Fachkräfte hatte – wie oben erwähnt – selbst erst vor kurzem ihre Heilerziehungspflegeausbildung an unserer Schule gemacht. Das war für uns besonders interessant, da sie dadurch einen direkten Bezug zu unserem Lernort herstellen konnte und mit sichtbarer Freude gerne wieder an ihre alte Ausbildungsstätte kam.

Insgesamt wurde der Besuch von uns als sehr lehrreich und praxisnah erlebt. Er hat dazu beigetragen, Ängste abzubauen, mehr Sicherheit zu gewinnen und sich besser auf zukünftige Situationen im Berufsalltag der Heilerziehungspflege vorzubereiten. Vielen Dank auch an unseren Ausbildungspartner Haus Freudenberg GmbH, der das ermöglicht hat.

Text: Nadja Voronin & Wiktoria Skwara (HEP/U)
Fotos: Andreas Mäteling


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