Seidentücher als Trostspender

Wohl niemand kann den Schmerz dieser Paare nachvollziehen. Monate lang haben sie sich auf ihr Kind gefreut, doch dann endet die Schwangerschaft tragisch. Auch in Geldern gibt es jedes Jahr mehrere Kinder, die still geboren werden, die nie das Licht der Welt mit eigenen Augen erblicken konnten. Meist ohne erkennbaren Grund endet die Schwangerschaft bis zur 24. Woche, weniger als 500 Gramm wiegt dann der Fötus. In einer besinnlichen Feier auf dem Friedhof werden sie dann beigesetzt, eingehüllt in individuell gestaltete Seidentücher.

Katharina van Meegeren und Martin Naton, beides Pastoralreferenten in der Gelderner Krankenhausseelsorge, nahmen nun in der Liebfrauenschule Geldern von Schülerinnen kunstvoll gestaltete Tücher für diese Art der Beisetzung in Empfang. Mit unterschiedlichen Motiven hatten die angehenden Fachabiturienten der 12. Klasse des Berufskollegs des Bistums Münster diese im Kurs „Textiles Gestalten“ bei Frau Veltjens-Nühlen hergestellt. Die Motive reichten dabei von beschützenden Fabeltieren, so genannten „Sorgenfressern“, über unterschiedliche Fortbewegungsmittel wie einen Heißluftballon und eine Rakete, die die still geborenen Kinder in den Himmel begleiten sollen, bis hin zu einem lieb schauenden, auf einem Mond sitzenden Teddybären, der gedankenversunken in die Sterne schaut.

Angetan von der breiten Palette an Motiven und Farben, mit denen jedes Jahr Liebfrauenschüler diese Seidentücher gestalten, war Martin Naton: „Diese Motive schenken etwas Leichtigkeit und nehmen etwas von der Tragik dieser schweren Situation, in der sich die Eltern befinden.“ Dem pflichtete Katharina van Meegeren bei. Sie beschrieb, wie sie es oft wahrnehme, wenn die Eltern bei der Beisetzungsfeier eine persönliche Karte erhalten, in die ein Stück des Seidentuches eingearbeitet ist, das ihr Kind umhüllt: „Sie nehmen es wie einen Schatz an, der ihnen Trost spendet.“

Wie sehr sich die angehenden Fachabiturienten in die Gefühlswelt der betroffenen Eltern eingedacht haben, wird durch einen auf einem Tuch aufgetragenen Spruch besonders deutlich: „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe – bis zum Mond und zurück!“

Text und Fotos: Ewald Hülk


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