Wachs wärmt Menschen in der Ukraine
Verkehrte Welt: Was vor 20 und 30 Jahren nach dem Mauerfall und dem Verschwinden des so genannten „Eisernen Vorhangs“ unvorstellbar war, ist seit vier Jahren bittere Realität. Krieg in Europa! Zur Gewissheit wurde: Die wirklich Mächtigen der Welt denken zurzeit nur an sich und ihr eigenes Land. Wie in den dunkelsten Kapiteln der zurückliegenden Jahrhunderte müssen militärisch nicht ausreichend ausgestattete Nationen fürchten, einfach übernommen zu werden. Bitteres Beispiel nahezu direkt vor unserer Haustür: der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, der im Februar 2022 begann.
Was Schritt für Schritt mit nur mäßigem Landgewinn für den Aggressor Putin begann, setzt sich mehr und mehr mit gezielten Angriffen auf die kritische Infrastruktur in weiten Teilen des Landes fort. Betroffen sind vor allem die Einrichtungen der Energieversorgung mit der Folge, dass die Menschen ohne Strom und Heizung leben müssen – und das gerade in den dort bitterkalten Wintern.
Dass es in einer Welt, die eigentlich mehr und mehr zusammenwächst bzw. zusammenwachsen sollte, auch anders geht, beweist die Ukraine-Hilfe Dobre e.V., die wiederum vom Weltladen Geldern unterstützt wird und die selbstlos Gutes für andere Menschen tut. Der Verein sammelt Kerzen- und Wachsreste, aus denen so genannte Büchsenlichter hergestellt werden, die in der Ukraine als Energiequelle sowohl für Licht als auch für die Wärmegewinnung genutzt werden.
Zum nunmehr dritten Mal beteiligte sich auch unsere Schulgemeinschaft an dieser ebenso simplen wie sinnvollen Aktion. Nach Weihnachten wurden wieder kartonweise alte Kerzen und Wachsreste vor der Mensa gesammelt, die unser ehemaliger Lehrer Hubertus Heix, Vorsitzender der Steuerungsgruppe Fair-Trade-Stadt Geldern, mit einem großen Dankeschön an alle, die Wachs zusammengetragen hatten, abholte. Statt zu Hause in der Abfalltonne zu landen, spendet das Wachs nun in dieser trüben Zeit in der Ukraine Licht und Wärme sowohl physikalisch als auch, was mindestens genauso wichtig ist, für das Gefühl, dass andere Menschen in Europa den Kampf gegen das Unrecht und für das Völkerrecht unterstützen.
Text: Ewald Hülk
Foto: Ina Goossens (AH/12F)