Hautnahes Lernen mit dem Demenzparcours: Der Caritasverband Geldern-Kevelaer machts möglich
Hautnahes Lernen mit dem Demenzparcours: Unser Kooperationspartner Caritasverband Geldern-Kevelaer e. V. machte es den angehenden Heilerziehungspfleger/innen möglich
Am Donnerstag, den 06. November 2025, wurden wir, die Berufspraktikant/innen der Fachschule für Heilerziehungspflege, von Frau Sieben und Frau Eschweiler (Caritasverband Geldern-Kevelaer e. V.) besucht. Gemeinsam stellten sie uns das Thema Demenz sowie die Kommunikation mit demenziell erkrankten Menschen vor. Ein Bereich, der besonders in der Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Zu Beginn erzählten die beiden Referentinnen von ihrem beruflichen Hintergrund. Frau Sieben, studierte Sozialpädagogin, arbeitete mehrere Jahre in der Wohnanlage St. Bernardin, wo sie zum ersten Mal mit demenziell erkrankten Menschen in Kontakt kam. Anschließend leitete sie vier Jahre lang die Demenzwohngruppe im Klostergarten in Kevelaer und ist heute dort Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses. Frau Eschweiler wiederum ist gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin, arbeitete lange im Krankenhaus und koordiniert heute ebenfalls im Klostergarten die dortigen Wohngruppen.
Nachdem sie sich vorgestellt hatten, stiegen wir gemeinsam in das Thema ein. Als Erstes klärten wir die grundlegende Frage: Was ist Demenz? Dabei wurde von den Expertinnen erfolgreich unser schon in der Oberstufe erworbenes Wissen aufgefrischt. Im Anschluss daran wurden die verschiedenen Demenzformen besprochen. Dazu zählen die Alzheimer-Demenz, die mit 60–70 % am häufigsten vorkommt, gefolgt von der vaskulären Demenz mit 15–25 %, der Lewy-Körper-Demenz mit 5–10 % und der frontotemporalen Demenz, die ebenfalls etwa 5–10 % der Fälle ausmacht. Die Referentinnen erläuterten anschließend die Risikofaktoren, erste Anzeichen und Symptome sowie den diagnostischen Verlauf. Dabei wurde immer wieder hervorgehoben, wie stark Demenz sowohl die Erkrankten selbst als auch ihre Angehörigen belastet und welche Bedeutung gute Unterstützungssysteme haben.
Im nächsten Schritt beschäftigten wir uns mit den Stadien der Demenz und deren Auswirkungen auf die Kommunikation. Im leichten Stadium stehen häufig Wortfindungsstörungen und eine zunehmende Vergesslichkeit im Vordergrund, das Arbeitstempo verlangsamt sich, ist aber noch ausgleichbar. Im mittleren Stadium treten deutliche Gedächtnislücken und Desorientierung hinzu, während das schwere Stadium durch starke Orientierungslosigkeit und weitreichende Kommunikationsprobleme geprägt ist. In einer Aufgabe ordneten wir typische Symptome den jeweiligen Stadien zu und analysierten anschließend verschiedene Kommunikationsstrategien.
Darauf aufbauend ging es um die Kommunikationsherausforderungen, die im Umgang mit Menschen mit Demenz auftreten. Typische Verhaltensweisen wie ständige Wiederholungen, Angst vor Veränderungen oder unbekannten Situationen, aggressives Verhalten als Ausdruck von Überforderung, sozialer Rückzug sowie Misstrauen wurden ausführlich besprochen. Hierbei betonten unsere Referentinnen das grundlegende Prinzip der Validation nach Naomi Feil. Dies sagt, man soll nicht korrigieren, sondern die Situation des Gegenübers annehmen und mitgehen – und einige von uns hatten damit selber schon Erfahrungen in der Praxis gesammelt und konnten davon berichten.
Anschließend behandelten wir die grundlegenden Kommunikationsstrategien, die im Alltag mit demenziell erkrankten Menschen hilfreich sind. Dazu gehören Geduld, Einfühlungsvermögen, eine klare und einfache Sprache sowie aktives Zuhören. Besonders wichtig ist außerdem das Einsetzen von Schlüsselreizen, um positive Erinnerungen hervorzurufen.
Im nächsten Themenblock ging es um die Beziehungsgestaltung, die als wesentliche Grundlage für Lebensqualität gilt. Emotionale Bindung, Kontinuität, respektvolle und wertschätzende Ansprache, verlässliche Tagesstrukturen und soziale Teilhabe spielen dabei eine zentrale Rolle. Ebenso wichtig ist es, den Kontakt zu Angehörigen und Freunden zu erhalten sowie neue Beziehungen im Wohnalltag zu ermöglichen.
Daraufhin führten wir den sogenannten Demenz-Parcours durch, der verschiedene Einschränkungen, die Menschen mit Demenz erleben, nachempfindbar macht. Jede Aufgabe innerhalb dieses Parcours verdeutlicht einen anderen Bereich, der durch die Erkrankung beeinträchtigt wird. So kamen zum Beispiel Spiegel zum Einsatz, um Richtungen und Bewegungen falsch wahrzunehmen; Arbeitshandschuhe, um motorische Einschränkungen zu simulieren und weitere einschränkende Hilfsmittel
Das war für uns eine im wahrsten Sinne des Wortes hautnahe Erfahrung, denn es fühlte sich ja ganz anders und viel intensiver an, quasi „in die Haut von Betroffenen zu schlüpfen“, als nur darüber zu reden. Danach waren wir uns ziemlich sicher, dass wir jetzt mit viel mehr Empathie Betroffene begleiten werden.
Im Anschluss sahen wir gemeinsam ein Video zur Validation nach Naomi Feil, dass wir später ausführlich besprachen und zu dem wir überlegten, wie wir das Konzept in den Einrichtungen, in denen wir jetzt das Anerkennungsjahr machen, anwenden können.
Zum Abschluss gaben uns Frau Sieben und Frau Eschweiler zahlreiche praktische Tipps für den Berufsalltag und zeigten Handlungsmöglichkeiten auf, die uns im zukünftigen Arbeitsfeld unterstützen können. Besonders mit Blick auf unsere spätere Rolle als Heilerziehungspfleger*innen wurde deutlich, wie wichtig ein fundiertes Verständnis über Demenz und ein sicherer Umgang mit Betroffenen sind.
Text: Louisa Ellenbeck (HEP/B)
Fotos: Louisa Ellenbeck (HEP/B) & Markus Scholz






