Mit dem „Navi“ in die Ferien

Es war die uns allen bekannte klassische, steril-freundliche, aber durchaus auch dominant erscheinende Damenstimme eines Navis, die da am letzten Schultag vor den Sommerferien im Innenhof der Schule für alle gut hörbar war: „Sie haben Ihr Ziel fast erreicht. Noch 365 Tage Vollgas bis zum Abschluss!“

Aber auch das sagte sie nach einer kleinen Pause: „Sie haben Ihr Ziel erreicht. Ferien voraus! Lernmodus deaktiviert!“

Diese Lautsprecher-Durchsagen griff Frau Heintze auf, die gemeinsam mit Frau Dr. Broda und der AH/12S2-Klasse von Frau Brouwers den Abschlussgottesdienst vorbereitet hatte: „In welcher Navi-Nachricht haben Sie sich wieder entdeckt?“, fragte sie die Schülerinnen und Schüler. Ein Leben ohne Navi, fuhr sie fort, sei heute ja nicht mehr gut vorstellbar. Es fehle dann scheinbar doch zu oft an Orientierung.

„Was war euer Navi?“, fragte daraufhin die vorbereitende Klasse. „Wer war euer Begleiter in der zurückliegenden Zeit?“ Nicht unerwartet war dann das, was die Schülerinnen und Schüler mit „Eddings“ auf die bereitgestellten Tafeln schrieben: „meine Eltern“, „meine Mama“ zum Beispiel. Oder die Namen von Freunden, aber auch die einiger Lehrer!

Die Navigation für jeden einzelnen griff Pastor Olding dann auch in seiner Ansprache auf. Als jemand, der 1983 geboren ist, sei er aufgewachsen in einer Welt, die zusammenwächst. Er erinnerte an den Mauerfall 1989, an die Einführung des Euro, an das Internet, das die Welt verbindet. „Jetzt aber“, so Olding, „bröckelt es!“ Vieles sei nicht mehr selbstverständlich. „Wo aber gibt es Orientierung?“, fragte er.

Wir Menschen, meinte er, gäben einen großen Vertrauensvorschuss beispielsweise ChatGPT und Google. Sein Appell war dann gut nachvollziehbar: 20% von diesem Vertrauen, riet er, stattdessen in Menschen zu investieren, denen man vertraue. Die könnten nicht ausfallen wie Akkus in digitalen Geräten. Menschen würden einem vielmehr das Gefühl schenken, nicht alleine zu sein. Dieses Gefühl könne einem Digitales nicht geben.

Er empfahl deshalb, mal einen Blick zurückzuwerfen: „Wer war mit mir unterwegs? Wem darf ich dankbar sein?“ Tage wie die in den anstehenden Ferienwochen könnten daher Tage sein, um zurückzublicken: „Was braucht es jetzt, dass es nicht nur in den nächsten Schuljahren gut läuft?“

Untermalt wurde der Wortgottesdienst wie gewohnt in bewährter Form von Musiklehrer Herrn Janßen und seiner Schulband. Dann ging es über zur Zeugnisausgabe … und dann konnten sie starten: die Sommerferien, hoffentlich für alle mit deaktiviertem Lernmodus!

Text und Fotos: Ewald Hülk


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