HEP/B blickte über den Tellerrand: Thema Menschenhandel und Zwangsprostitution

Ein Highlight unserer Blockwoche war der Besuch der Sozialpädagogin Marina Elbers, einer ehemaligen Fachabiturientin der Liebfrauenschule. Marina stellte uns in einer Präsentation ihre Bachelorarbeit vor und erklärte uns den Hintergrund ihrer Arbeit. Sie beschäftigte sich mit dem Thema „Menschenhandel und Zwangsprostitution“, mit dem sie erstmalig im Religionsunterricht der Klasse FH 11 konfrontiert wurde. Bereits damals war für sie und ihre Mitschülerinnen klar, dass man sich für dieses Thema engagieren müsse, weshalb sie mit ihrer Klasse schon im Jahr 2008 einen Projekttag für die ganze Schule organisierte.

Da dieses Thema eigentlich wenig mit unserer Ausbildung zu tun und man auch sonst nur wenig Berührungspunkte damit hat, wussten wir eigentlich nicht so recht, was uns erwarten würde.
Marina startete mit einem kurzen Video. Gezeigt wurden Prostituierte, die in einem Bordell in Amsterdam eine Show tanzten. Die Passanten blieben stehen, machten Fotos und applaudierten. Am Ende der „Aufführung“ erschien über dem Bordell die Aufschrift: „Tausenden von Frauen wird jedes Jahr ein Job als Tänzerin in Europa angeboten. Traurig, aber die meisten von ihnen landen hier.“ Interessiert hatte die Klasse dem Video gefolgt, am Ende aber schwiegen wir und brauchten ein paar Minuten, um unsere Gedanken zu ordnen.

Marina klärte uns im weiteren Verlauf ihres Vortrags umfassend über die Organisation Solwodi auf. Konkret kümmert sich Solwodi (= Solidarity with women in distress) um Mädchen und Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden und zum Zwecke der Zwangsprostitution nach Deutschland verschleppt wurden und um diejenigen Frauen, die aus Zwangsehen oder aus Zwangsprostitution geflohen sind. Die Mitarbeiter von Solwodi bieten ihnen Beratung und Schutz, z. B. in Schutzwohnungen, an. Gemeinsam mit ihrer Projektgruppe gründete Marina einen Arbeitskreis für Solwodi Duisburg, um der Organisation die Möglichkeit zu geben, Öffentlichkeitsarbeit in Duisburg durchzuführen.

Zum Schluss ihres Vortrags schilderte uns Marina ihre Eindrücke von ihrer Reise nach Afrika, konkret nach Kenia, wo Solwodi 1985 von der Ordensschwester Lea Ackermann gegründet wurde. Dorthin flog Marina im Jahr 2013, um sich die Projekte von Solwodi vor Ort anzuschauen. Sie zeigte uns Fotos von Streetwork in den Straßen von Mombasa, berichtete von Frauen, die aus Armut in der Prostitution arbeiten und Freier empfangen, während ihre Kinder in unmittelbarer Nähe und nur durch einen Vorhang getrennt spielen.

Mit vielen Fotos und Erzählungen ließ uns Marina an den zum Teil schockierenden Eindrücken teilhaben, für die sie nicht selten, wie sie sagte, keine Worte findet. Auch wir waren sehr berührt und sprachlos nach diesem Vortrag – ein Thema von großer Wichtigkeit, das viel zu selten besprochen wird. Wir werden uns sicher noch unsere Gedanken dazu machen und wünschen Marina und der Organisation Solwodi, dass dieser so wichtigen sozialen Arbeit in Zukunft noch viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung zukommt.

Text: Jana Elbers (HEP/B)
Fotos: Marina Elbers, Andreas Mäteling


http://www.solwodi.de/


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