Wie fühlt es sich an, Stimmen zu hören, die andere Menschen nicht wahrnehmen? Wie verändert eine psychische Erkrankung das Leben? Und wie kann man durch eigene Erfahrungen anderen Menschen helfen? Die Geschichte von Herrn Korte und die Arbeit von Frau Brendel-Grünewald im Betreuten Wohnen geben einen besonderen Einblick.
Herr Korte lebt mit einer paranoiden Schizophrenie. Diese psychische Erkrankung kann das Denken, die Wahrnehmung und das Erleben eines Menschen stark beeinflussen. Betroffene können beispielsweise Stimmen hören oder das Gefühl entwickeln, beobachtet oder verfolgt zu werden.
Auch Herr Korte kennt das Stimmenhören. Eine seiner Stimmen nennt er „Dixe“, die er aber auch sieht und zwar als Zombie und Zyklop. Für Außenstehende ist es oft schwer nachzuvollziehen, wie real sich solche Wahrnehmungen für Betroffene anfühlen können.
Seine Krankheitsgeschichte begann bereits in jungen Jahren. Mit etwa 11 Jahren begann er, Drogen zu konsumieren. Dabei spielte auch Cannabis eine Rolle, das psychotische Symptome auslösen oder verstärken kann. Mit ungefähr 25 Jahren erhielt er die Diagnose einer psychischen Erkrankung. Es folgten schwierige Lebensphasen und mehrere Klinikaufenthalte.
Der Weg zu einem stabileren Leben war nicht einfach. Herr Korte musste lernen, seine Erkrankung zu verstehen und mit den Symptomen umzugehen. Heute kann er gut mit seiner Schizophrenie leben und hat einen Weg gefunden, seinen Alltag zu gestalten.
Besonders beeindruckend ist, dass Herr Korte heute selbst als Genesungsbegleiter arbeitet. Seine eigenen Erfahrungen mit der paranoiden Schizophrenie, psychischen Krisen und den damit verbundenen Herausforderungen haben ihn auf diesen Weg gebracht.
Er weiß aus eigener Erfahrung, wie belastend es sein kann, Stimmen zu hören, sich unverstanden zu fühlen und mit einer psychischen Erkrankung leben zu müssen. Heute nutzt er diese Erfahrungen, was uns sehr beeindruckt hat, um andere Betroffene zu unterstützen und ihnen Mut zu machen.
Als Genesungsbegleiter kann er Menschen auf Augenhöhe begegnen, ihnen zuhören und Verständnis für ihre Situation zeigen. Dabei vermittelt er etwas besonders Wertvolles, nämlich die Hoffnung, dass auch nach schwierigen Lebensphasen wieder mehr Stabilität und Lebensqualität möglich sind.
Herr Korte zeigt damit, dass aus schwierigen Erfahrungen etwas Positives entstehen kann. Früher benötigte er selbst Unterstützung, heute kann er mit seiner Geschichte anderen Menschen Hoffnung geben.
Für uns als angehende HEP war es sehr interessant, durch ihn persönlich so viele Details auch über die Ausbildung und Tätigkeiten eines Genesungsbegleiters zu erfahren, der als Teil des Therapeutischen Teams – zu dem auch wir mit unserer Berufsgruppe künftig gehören können – tätig ist.
Frau Brendel-Grünewald: Die Arbeit im BeWo
Eine wichtige Unterstützung für Menschen mit psychischen Erkrankungen bietet das Betreute Wohnen, kurz BeWo. Hierüber berichtete uns im Rahmen des Workshops, an dem auch Herr Korte mitwirkte, dann Frau Brendel-Grünewald.
Frau Brendel-Grünewald, übrigens selber ehemalige LFS-Studierende, arbeitet in diesem Bereich und begleitet mehrere Menschen mit unterschiedlichen psychischen Erkrankungen und individuellen Unterstützungsbedürfnissen. Einer davon ist Herr Korte.
Ihre Arbeit ist vielseitig und orientiert sich an den Bedürfnissen der zu betreuenden Menschen. Dazu gehören beispielsweise die Begleitung zu Arztterminen, Unterstützung bei Behördengängen und Anträgen, Hilfe bei der Tagesstruktur sowie die Förderung sozialer Kontakte und der Selbstständigkeit.
Auch persönliche Gespräche, die Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben und die gemeinsame Suche nach Lösungen für schwierige Situationen gehören dazu.
Das Ziel ist es, die Menschen dabei zu unterstützen, ihr Leben möglichst selbstständig zu gestalten.
Frau Brendel-Grünewald nimmt ihnen nicht einfach alle Aufgaben ab, sondern hilft ihnen dabei, ihre eigenen Fähigkeiten zu nutzen, Entscheidungen selbst zu treffen und sie insgesamt zu befähigen, wie es am Beispiel von Herrn Korte besonders erfolgreich geklappt hat.
Besonders wichtig sind Vertrauen, Geduld und Verständnis. Denn jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit und benötigt eine individuelle Begleitung.
Herr Kortes Lebensweg zeigt, dass eine psychische Erkrankung nicht das Ende aller Möglichkeiten bedeutet. Heute kann er mit seiner Schizophrenie leben und nutzt seine Erfahrungen, um anderen Menschen als Genesungsbegleiter zu helfen.
Auch die Arbeit von Frau Brendel-Grünewald verdeutlicht, wie wichtig eine verlässliche Unterstützung ist, damit Menschen trotz psychischer Erkrankungen möglichst selbstständig und selbstbestimmt leben können.
Herr Kortes Geschichte zeigt, dass nicht die Erkrankung den Menschen bestimmt, sondern sein Umgang mit den Herausforderungen des Lebens. Manchmal entstehen gerade aus den schwierigsten Erfahrungen neue Stärken, mit denen man eines Tages anderen Menschen Hoffnung schenken kann.
Die zahlreichen und auch bwegenden Erkenntnisse dieses eindrucksvollen Seminartages werden wir mit in unseren Berufsalltag als HEP nehmen. Danke, Frau Brendel-Grünewald und Herrn Korte, dass Sie uns diesen detaillierten und so persönlichen Einblick ermöglicht haben!
Text: Jana Manis (HEP/B)
Foto: Andreas Mäteling


