Ein eigenes Zuhause haben, den Alltag selbstbestimmt gestalten und gleichzeitig die notwendige Unterstützung erhalten – genau das ermöglicht das Wohnprojekt der Selders – Soziale Dienste GmbH. Das Angebot richtet sich insbesondere an Menschen mit geistigen, psychischen, körperlichen und/oder Mehrfachbehinderung und stellt eine Alternative zu einer stationären Wohnform dar. Am 7.September 2026 besuchten wir, die Berufspraktikant/innen der Fachschule für Heilerziehungspflege, im Rahmen unserer ersten Blockwoche das Wohnprojekt Brühlscher Weg in Geldern und lernten die Besonderheiten dieses Wohnprojekts kennen.
Das zentrale Motto des Wohnprojekts lautet „Hilfe zur Selbsthilfe“. Das bedeutet, dass die Klient/innen möglichst selbstbestimmt und mit einem hohen Maß an Autonomie in ihrer eigenen, selbst angemieteten Wohnung leben. Welche Unterstützung benötigt wird, wird dabei individuell betrachtet und an die persönlichen Bedürfnisse angepasst.
Es leben derzeit acht Menschen mit Behinderung in der Adresse Brühlscher Weg in Geldern, die Unterstützung seitens des so genannten Hintergrunddienstes im Wohnprojekt erhalten. Die Klient/innen verfügen jeweils über eine eigene, vollständig ausgestattete Wohnung. Auf rund 58 Quadratmetern gehören dazu unter anderem eine Küche beziehungsweise ein Haushaltsbereich, ein Bad, ein Wohn- und Essbereich sowie ein Schlafzimmer. So bleibt die Privatsphäre erhalten: Die Menschen haben ihren eigenen, individuellen Wohnraum und können ihren Alltag weitgehend selbst gestalten.
Neben der eigenen Wohnung spielt auch das gemeinschaftliche Leben im Wohnprojekt eine wichtige Rolle. Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Gemeinschaftsraum, in dem viel Platz für gemeinsame Begegnungen und Aktivitäten ist. Eine Küche lädt dabei z.B. zu gemeinschaftlichem Kochen ein. Auch werden regelmäßig Aktivitäten außerhalb der Wohneinrichtung angeboten. Demnächst geht es z.B. für einige Klient/innen ins Kernwasser-Wunderland. So gilt auch bei der Freizeitgestaltung das Prinzip der Selbstbestimmung. Die Klient/innen entscheiden selbst, ob und in welchem Umfang sie an angebotenen Aktivitäten teilnehmen möchten.
Um eine größtmögliche Selbständigkeit bei (komplexer) Behinderung gewährleisten zu können, gibt es den sogenannten 24-Stunden-Hintergrunddienst, der bedarfsgerecht immer dann aktiv wird, wenn dies explizit von den Klient/innen angefordert wird. So können spontan notwendige Hilfestellungen, aber auch regelmäßig gewünschte Unterstützung abgedeckt werden. Dazu gehören beispielsweise Hilfen beim An- und Auskleiden oder bei der Mobilisation. Auch stehen die Mitarbeiter/innen des Hintergrunddienstes jederzeit für situative Gesprächsangebote zur Verfügung.
Die pflegerische Versorgung der Klient/innen, die z.B. die Grundpflege oder das An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen umfasst, erfolgt über einen ambulanten Pflegedienst und wird individuell auf die jeweilige Person abgestimmt.
Auch die Lage des Wohnprojekts trägt zur Selbstständigkeit bei. Der Busbahnhof und der Bahnhof befinden sich in unmittelbarer Nähe, wodurch die Mobilität sichergestellt ist. Auch die Gelderner Innenstadt mit diversen Geschäften, Supermärkten und Cafés ist in wenigen Minuten fußläufig zu erreichen, wodurch die Klient/innen gut am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Insgesamt konnten wir bei unserem Besuch wertvolle Einblicke in das Wohnprojekt der Selders soziale Dienste GmbH erhalten. Dabei wurde deutlich, dass eine (komplexe) Behinderung und ein möglichst eigenständiges Leben kein Widerspruch sind. Besonders beeindruckt hat uns, dass Selbstbestimmung hier nicht nur ein Grundgedanke des Wohnprojekts ist, sondern im Alltag in verschiedenen Lebensbereich wie Wohnen und Freizeitgestaltung, konkret umgesetzt wird.
Text: Sandra Hardt (HEP/B)
Fotos: Andreas Mäteling, Sandra Hardt (HEP/B)
Quelle: Selders – Soziale Dienste GmbH








