Der Freizeitpark hätte den Wald zerstört

Als im Herbst im Finanzausschuss der Stadt Geldern die ersten Weichen für die Zukunft des Walbecker Forstes hinter dem Freibad gestellt wurden, waren Schüler der Liebfrauenschule besonders gespannt auf das Ergebnis der parlamentarischen Beratungen. Seit den Sommerferien hatten sie sich im Leistungskurs Biologie der gymnasialen Oberstufe mit dem Ökosystem Wald beschäftigt und hierbei ein besonderes Augenmerk auf den in der öffentlichen Diskussion stehenden Forst gelegt, da dieser, so eine der städtischen Überlegungen, in einen Freizeitpark nebst 1000 Campingstellplätzen hätte umgewandelt werden können. „Ist dieses aber unter ökologischen Aspekten zu vertreten?“, lautete die zentrale Frage, der die Schüler unter anderem im Rahmen einer großen Exkursion nachgingen.

Obwohl die schulinterne Auswertung zum Zeitpunkt der parlamentarischen Entscheidung noch nicht ganz abgeschlossen war, stand ein Resümee schon vorher fest. „Der Walbecker Forst bietet“, so Andrea Winkelmann, „für eine Vielzahl unterschiedlicher Tier- und Pflanzengruppen einen guten Lebensraum!“ Zwar sei die Kiefer der vorherrschende Baum, so die Schülerin weiter, doch man habe es bei dem analysierten Waldgebiet nicht mit einer Monokultur zu tun, sondern in nahezu allen Bereichen seien jüngere, aber auch ältere Laubhölzer zu sehen. Unterschiedlich hohes Strauchwerk und ein stellenweise üppiger Bewuchs an krautigen Pflanzen, Bodendeckern und einem für diese Jahreszeit typischen Farnbewuchs erlaube zahlreichen unterschiedlichen Kleinst- und Kleinlebewesen gute Lebens- und Nahrungsmöglichkeiten. Ein umfangreiches Nahrungsnetz sei die logische Konsequenz und damit ein Zeichen für einen vielfältigen Artenbestand, zu dem Füchse und, so die Beobachtung, auch viele Frösche gehörten.

„Obwohl viele Vögel häufig nur durch ihren Gesang im Blätterwerk auffielen, konnten wir unterschiedliche Drosseln, Meisen- und Finkenarten, Rotkehlchen, Kleiber und Rabenvögel wie den Eichelhäher entdecken“, nennt Judith Langenstein einige der Vögel, die die Schüler entdeckt haben.

„Uns fiel auf“, ergänzt Karina Treeker, „dass an vielen Stellen der Wald nicht aufgeräumt ist.“ Doch das sei nur zu begrüßen. Altes Astwerk, selbst umgefallene Bäume könnten so einerseits als ideale Versteckmöglichkeit für schutzsuchende Tiere dienen, andererseits aber auch über den Zersetzungsprozess für eine gute Mineralisierung des Bodens sorgen. Apropos Boden: Auch die differenzierte Untersuchung von Streuschicht, Ober- und Unterboden ergab zufriedenstellende Ergebnisse.

Ein Kurzresümee ihrer Analyse veröffentlichten die Schüler des Leistungskurses rechtzeitig vor den parlamentarischen Beratungen in der Rheinischen Post und in den Niederrhein-Nachrichten. Vielleicht mag auch das ein Grund dafür gewesen sein, dass die Kommunalpolitiker sich gegen eine Nutzung des Waldes als Freizeit- und Campingpark aussprachen. Pia Mackenschins begrüßt diese Entscheidung: Für den Freizeitpark hätte nicht nur ein Teil der Bäume Platz machen müssen, sondern es hätten großflächig die unteren Stockwerke des Waldes weichen müssen. Das aber hätte das zweifellos weitgehend intakte Ökosystem grundlegend zerstört!“ Nicht nur der Erholungsraum für den Menschen, sondern ein Lebensraum für unzählige Tiere und Pflanzen wäre vernichtet worden.

Beim Tag der Offenen Tür am 31. Januar 2004 präsentierten die Schüler im Rahmen einer Ausstellung ihre Ergebnisse. Davon waren die eigens hierfür angereisten Vertreter der Walbecker Bürgerinitiative „Pro Wald“ so angetan, dass die Idee entstand, die Ausstellung in der Volksbank Walbeck einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.


Was steckt wohl in diesen Kartons? Weiches Moos? Knisterndes, verwelktes Laub? Stachelige Nadeln? Ein schwabbeliger Pilz? Im Rahmen einer Ausstellung in der Volksbank Walbeck informierte der Leistungskurs Biologie über den dortigen Grenzwald. Bei der Präsentation ließ sich manches auch spielerisch erfahren wie hier bei einem Tastquiz, bei dem Gegenstände des Waldes mit Fingerspitzengefühl erraten werden konnten. Volksbank-Geschäftsstellenleiter Heinz-Theo Pasch machte mit den Schülerinnen die Probe aufs Exempel.

Text und Fotos: Ewald Hülk


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