Kreuzwegstationen mit Spraydosen gestaltet

Die Skepsis ist einigen Studierenden ins Gesicht geschrieben. Es ist zugig auf dem Schulhof der Liebfrauenschule Geldern, Berufskolleg im Bistum Münster. Vor den angehenden Heilerziehungspflegern steht eine Wand, beklebt mit 300 rechteckigen Sperrholzplättchen. In rund anderthalb Stunden soll diese Wand zu einer Kreuzwegstation werden, gestaltet von den Schülern. Ihr Hilfsmittel: Spraydosen, aus denen mit lautem Zischen verschiedene Farben auf das Holz sprühen. Am Freitag, 12. April, soll ihre Station Teil der Kreuzwegandacht werden, die Pastor Christian Olding am Berufskolleg halten wird.

Gute 90 Minuten später ist aus der Sperrholzwand eine aufgebrochene Gefängniszelle geworden, die Gitter vor dem Fenster sind verbogen oder zerborsten, ein heller Lichtstrahl scheint über einer bunten Wand auf einen Stuhl, an der Wand lehnt eine Leiter. Gideon Gläser, 23 Jahre alt, nickt zufrieden. „Das ist die Freude über die Auferstehung, die wir dargestellt haben“, erklärt er und ergänzt grinsend: „Sehr schön, dass wir das hier machen konnten, das erlebt man ja nicht so häufig, dass man an der Schule sprayen darf.“

Das weiß auch Künstler Mika Springwald aus Osnabrück, der den Schülern und Studierenden die Grundlagen des Sprühens vermittelt hat. „Sprayen hat noch immer den Touch des Verbotenen“, sagt er. Das aber sei auf der anderen Seite reizvoll und senke für einige Schüler die Hemmschwelle, sich mit Themen wie Tod und Auferstehung auseinanderzusetzen. Und so gibt er auch nur wenig Vorgaben. Eine davon: Stuhl, Leiter und Fenster sind feste Elemente, die das Bild enthalten muss. Denn es ist das Gegenstück zu einem bereits vorher von einer Abiturklasse gestalteten Bild. Das stellt die Verurteilung Jesu dar. Die Gefängniszelle ist in tiefes Schwarz getaucht, ebenso der Stuhl, der Jesus symbolisieren soll. Doch selbst in dieser trostlosen Schwärze sind hinter den Gitterstäben bunte Farben zu sehen, die schon den oberen Teil der Leiter, die an der Wand lehnt, berühren. Verurteilung auf der einen, Auferstehung auf der anderen Seite, in ihrer Mitte steht ein großes, farbenfrohes Kreuz. Am Ende der Andacht wird das Auferstehungsbild aufgeteilt, die 300 Holzplättchen werden an die Schülerinnen und Schüler verteilt. „Das Hoffnungsvolle soll mit nach Hause kommen“, erklärt Spreewald.

Der Kontakt zu dem Künstler sei über Pastor Olding hergestellt worden, berichtet Lehrer Andreas Mäteling, der interessiert beobachtet, wie das Bild nach und nach entsteht und sich die Schüler immer wieder Gedanken über die passenden Farben zur Auferstehung machen. Bei der Andacht werden neben den gesprayten Kreuzwegstationen noch Filmclips und Texte aus der Passion gezeigt und gelesen. Für Mäteling ist damit ein wichtiges Ziel erreicht: „Durch solche Aktionen möchten wir das, was in der Bibel beschrieben wird, ins Heute holen“, erklärt er.

Text: Christian Breuer (Bischöfliche Pressestelle)
Fotos: Andreas Mäteling, Christian Breuer, Ewald Hülk


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